Anonymous: die Hacker, die Scientology in die Knie zwingen wollen…. oder, wer steht hinter Project Chanology


In den letzten paar Tagen ging durch die Presse, dass eine Hackergruppe mit dem Namen „Anonymous“ der Scientology den Krieg erklärt hat.

Leider scheint es da einige Fehlinformationen zu geben, die von allen immer wieder kopiert werden oder wegen mangelnder Recherche und entsprechenden Vorbildern für gegeben erachtet werden.

Die erste und schwerwiegendste ist die, dass immer davon ausgegangen wird, dass es sich bei „Anonymous“ tatsächlich um einen realen zusammenschluss handelt. Leute die sich Treffen, die einen Anführer haben, einen „geheimen Treffpunkt“ (man denke hier an das Baumhaus oder das leere Lagerhaus, welches man selbst mit Freunden in beschlag genommen hat für den eigenen kleinen Geheimbund). Aber das ist Falsch. Wenn man vielleicht von einigen kleinen lokalen Treffen absieht zwischen Freunden, handelt es sich bei „Anonymous“ eher um eine Idee oder ein Meme. es handelt sich um eine „Organisation“ in der die kleinste Einheit eine einzelne Person ist und im Normalfall ist auch die grösste Einheit nur eine einzelne Person.

Eine von oben gesteuerte Struktur gibt es nicht und ist fast unmöglich zu erschaffen (… sollte es jemand probieren). Es gibt einige Webseiten, wie 4chan, 711chan, EbaumsWorld, YTMND, … in der seid einigen Jahren „herumgeblödelt“ wird und auf denen sich eine eher anarchistische Denkrichtung als Gemeinsamkeit herauskristallisiert. Viele der dortigen Benutzer experimentieren schon seid langer Zeit mit Meme, ein Themengebiet, das normalerweise hauptsächlich in der Psychologie und in der Werbebranche z.B. als „Virales Marketing“ benutzt wird. Es handelt sich dabei (grob gesagt) um einfache Ideen, die „ansteckend“ sind. Ein einziger Satz, der einmal gesagt im Gedächtnis bleibt und den man einfach loswerden will. Beispiele dafür sind z.B. eine Geschichte vom Mark Twain, in der jemand ein kleines Gedicht/Lied hört und von diesem so gepackt ist, dass fast daran stirbt (Wenn ihr jemals jemanden singen hört, dass die Tickets gestempelt werden müssen, haltet die Ohren zu und rennt weg) , die Bierwerbung mit dem Hund vor einigen Jahren („Immer? Nicht immer, aber immer öfter!“) oder „ultimative Wahrheiten“ wie die Regel 34 („There is Porn of it.“ im Kontext besagt sie, dass man im Internet zu JEDEM Thema pornographisches Material finden kann, selbst zu Calvin und Hobbes). In diesem Umfeld bündeln sich Ideen und werden weiter gesponnen. Teilweise nicht einmal von den Beteiligten selbst sondern von Aussenstehenden, die nur einige Bruchstücke davon mitbekommen und diese werden wieder reabsorbiert. Diese Reabsorbierung war im Endeffekt auch Schuld an der „Gründung“ von „Anonymous“.

Wo kommt der Name eigentlich her, dies ist ein weiterer „Grundpfeiler“ wie diese Organisation funktioniert. Es gibt einige Internetforen, sogenannte Imageboards, die sich stark von normalen Internetforen unterscheiden. Im Normalfall Findet man ein Forum, in dem man ein Thema im Internet sucht und sich dort anmeldet, man sucht sich einen passenden Namen raus, eventuell einen Avatar (ein Bild welches einen repräsentieren soll) und gibt auf einer Profilseite mehr oder weniger viele Informationen über sich an (angefangen von Haarfarbe und Hobbys bis hin zu sexuellen Präferenzen in entsprechenden Foren). Alles was man dort schreibt wird ewig archiviert und auch nach Jahren werden manche Diskussionen wieder aufgewärmt und weitergesponnen. In den Imageboards, die der Ursprung dieser Bewegung sind, ist dies absolut unüblich. Oft werden dort nur eine gewisse Anzahl von Diskussionen zugänglich gemacht, wenn dann eine neue dazukommt, wird diejenige, an der am längsten niemand aktiv teilgenommen hat gelöscht. Dies führt dazu, dass viele Diskussionen nur wenige Tage existieren, in stark frequentierten bereichen sogar nur wenige Minuten. Alles was dort nicht eingängig ist und nicht für viele von Interesse ist, geht dort sofort unter und wird weggespült. Desweiteren ist es oft unüblich (teilweise sogar schlechter Stil!) wenn man sich anmeldet um in diesen Foren zu partizipieren. Dadurch wird jeder Diskussionsbeitrag von dem Benutzer „Anonymous“ geschrieben. Dadurch sind handelt es sich nicht wie in einem Forum um mitglieder dieses Forums, sondern um das gleiche Wesen, die gleiche Entität und diese schwappt sogar auf andere Imageboards, die ähnlich strukturiert sind über und kommt wieder zurück, auch wenn die Namen dort teilweise anders sind, aber die Idee an der anonymen Teilname, des Kollektivs bleibt bestehen.

Dieses Kollektiv wird durch einen Jargon, der sich aus den einzelnen Meme gebildet hat natürlich noch verstärkt. Relativ schnell fanden sich auch Leute zusammen, die gleiche Abneigungen hatten und deswegen sogenannte Raids bzw Invasions veranstalteten. Besonders bekannt die gegen Habbo Hotel durchgeführten Raids, in denen sich die Teilnehmer eine Spielfigur erstellten, die hauptsächlich durch eine Afrofrisur hervor stach und sich dann z.B. vor Eingänge stellte um einzelne Räume zu blockieren. Diese Dinge waren natürlich nur sehr begrenzt lustig (hauptsächlich für die Ausführenden) und für die Betroffenen maximal lästig, jedoch waren es die ersten Aktionen aus diesem Bereich, die ohne eine echte Planung nur durch die Idee alleine und die Bekanntgabe eines Datums von einer einzelnen Person ins Rollen kamen.

Diese Aktionen fanden Mediale Aufmerksamkeit, als im Oktober 2006 eine falsche Bombendrohung auftauchte und eine stark übertriebene auf einem der FOX Sendeanstalten in den USA gezeigt wurde. (Youtube) Viele der dort gemachten Aussagen wurden als Meme wieder übernommen.

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Wer sich genauer über den Ablauf der geplanten Demonstrationen und Aktionen informieren will, kann bei Google nach dem Begriff „Project Chanology“ suchen. Da ich keinen Einfluss habe, was auf den Seiten steht, werde ich hier nichts direkt verlinken, aber ich denke, jeder kann sich über die Suchergebnisse selbst ein Bild machen, was passieren soll, was davon sinnvoll ist, was eventuell illegal und was sich die Beteiligten denken.

Egal welche Seite Ihr vertretet, schaut euch an, was die andere Seite denkt, wer die andere Seite überhaupt ist, versucht zu verstehen und vielleicht sogar zu akzeptieren, was die andere Seite darstellt?

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Und da wir schon dabei sind:

5 Responses to “Anonymous: die Hacker, die Scientology in die Knie zwingen wollen…. oder, wer steht hinter Project Chanology”

  1. Interessant dein Beitrag. Allerdings könnte deine Erklärung bezüglich Memen etc zu Missverständnissen führen. So banal ist Memetik nicht wie du sie darstellst. So ist M. weit mehr als nur ein Themengebiet aus der Psychologie oder Werbebranche sondern ein umfassendes philosophisches Modell zur Erklärung von Kultur und menschlichem Bewußtsein. Das aber nur mal so am Rande…soll keine Kritik sein.. ;-)

  2. es soll keine kritik sein? schade (ich kenne den begriff kritik und sehe deinen beitrag als konstruktive kritik an)

    natürlich habe ich hier vereinfacht, aber wie ich deinen kommentar lese, wohl zu sehr. der bereich ist gross genug um damit einige meter an buchregal zu füllen, jedoch merke ich oft, dass in den bereichen, in denen eigentlich echtes wissen zu dem thema vorhanden sein sollte, nur „herumgepfuscht“ wird.

    in den boards wird auch nur herumgepfuscht, jedoch auf einer ganz anderen ebene, eigentlich einer tieferen, wenn man es genau nimmt, jedoch wird das einfach durch den viel höheren umsatz wieder wettgemacht.

    andererseits, ich pfusche in dem bereich auch nur rum, also kann man meinen meinung zu dem thema auch nur als vermutung eines interessierten werten.

  3. hast Recht. Mit Kritik meinte ich natürlich „negative“ Kritik. Und das sollte es nicht sein. Warum, das erklärst du ganz gut in deinem Kommentar. ;-)

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