Tabula Rasa (ein kleiner Spieletest)
Mit den Spielen von Richard Garriott (Lord Britisch) verknüpfe ich einiges, Ultima 5 für den C64 war z.B. das erste Computerspiel das ich mir kaufte (damals 80 DM, was doch ein ganzer Haufen war, da Spiele für 8-Bit Computer doch meist so in der Lage von 30-35 DM lagen) und damit viel Zeit verbrachte. (und mein Englisch dabei um Einiges besser wurde). Also ist es kein grosses Wunder, dass ich doch ziemlich gespannt war auf Tabula Rasa. Da ich momentan noch viel zu tun habe, habe ich noch etwas gewartet mit dem Kauf und bekam vor einigen Tagen einen Testschlüssel von einem Freund. Ich habe jetzt etwas gespielt und möchte mal loswerden, was ich von dem Spiel so halte.
Nach dem Anmelden und Eingeben des Schlüssels konnte ich einen kleinen Downloadclient runterladen, der dann jedoch gleich etwas mehr ruterlied. (ca 1,5 GB) nachdem das geschafft war und meine Spannung ins unermessliche gestiegen war (ich habe in Ruhe ein Buch gelesen) konnte ich das Spiel Starten und 450 MB an Updates runterladen (diese lagen jedoch scheinbar auf einem anderen Server und kamen “etwas” langsamer an). Nachdem dies jedoch überstandne war, wurde ich mit einem netten Introfilmchen belohnt, der einen guten Sprechertext hatte. Dann kommt man zum Login und darf sich einen Server aussuchen. Es gibt jedoch im Moment nur 5 verschiedene und nur einer davon ist in Europa. Also mal wieder Babylon, was aber bei dem Spiel sogar passend scheint. (man spielt einen Flüchtling von der Erde)
Die Charaktererschaffung ist detailliert genug, damit man nicht nur Klonen über den weg läuft, jedoch nicht ganz so umfangreich wie in Second Life. Leider gibt es nur die Auswahl eines Geschlechts und keine auserirdischen Rassen wie man es bei einem SF-MMORPG eigentlich erwarten könnte. Deswegen landet man auch immer im gleichen Tutorial, was man jedoch bei einem NPC abbrechen kann.
Atmosphäre: Zumindest die Wilderniss (das erste offene Gebiet nach demTutorial) ist Atmosphärisch ziemlich dicht. Man hetzt förmlich von einem Schützengraben zum Nächsten, hofft, dass man einige Leute sieht, die auch gerade in die gleiche Richtung hetzen. (obwohl man auch alleine in dem Gelände umherstreifen kann, jedoch nicht so entspannt wie in anderen MMORPG). Die Gute Sprachausgabe und Soundeffekte sind auch immer passend und die Gegner brabbeln auch immer schön bedrohlich vor sich hin. Es könnten jedoch ein paar mehr Sprecher sein. Die “magischen” Effekte kommen so rüber wie in den Trailern schon zu sehen, also wie eine Mischung aus Magie und freischwebender GUI (jedoch ist das nur ein graphischer Effekt). Was fehlt (zumindest soweit wie ich es gespielt habe) sind Questreihen, die ein Geschichte erzählen die Spannung aufbaut.
Graphik: Man erkennt, dass seid World of Warcraft doch einige Jahre vergangen sind, jedoch ist die Graphik nicht so schön wie z.B. bei Herr der Ringe Online. Die einzelnen Modelle sind detaillierter gezeichnet als bei WoW aber bei weitem nicht so liebevoll wie man es teilweise bei Herr der Ringe Online sieht. Die Gegend als solches sieht stark nach Zufallsgenerator aus, aber nach einem guten, es ist also nicht so, dass es künstlich wirkt wie bei einigen anderen Spielen.
Steuerung: Erinnert eher an einen Shooter, wer vorher World of Warcraft oder Herr der Ringe Online gespielt hat,wird immer wieder auf falsche Tasten drücken und wer hauptsächlich Shooter spielt, wird sich wundern, dass man auf dem offiziellen Server mit Aim-Borts spielt ;)
Spielbarkeit: Definitiv über den ganzen “kostenlosen” MMORPG die momentan auf Asien rüberschwappen, das Spiel liegt in der oberen Liga, wo es nur noch Geschmackssache ist, wie man die Features bewertet. Das Spiel ist zumindest am Anfang einfach zu spielen und wird dann immer schwerer. Es ist also relativ einsteigerfreundlich, dieser Eindruck wird auch durch das instanziierte und gut ausgearbeitete Tutorial bestärkt wird.
Probleme: Geldspammer. Teilweise ist der Allgemeine Chat unbrauchbar, da man nur lesen kann, dass man für x$ yGold bekommt (keine ahnung, warum die mir Gold verkaufen wollen, Kredits wären viel praktischer in dem Spiel ;). Leider gibt es noch keine Möglichkeit Spielernamen im Chat anzuklicken und direkt zu Blocken oder anzuflüstern, eine Funktion, die eigentlich jeder erwarten würde. Da ganz Europa nur einen Server hat, ist teilweise ein Babylonisches Sprachgewirr vorhanden, jedoch nicht so extrem, wie es z.B. bei Dark & Light vorkam, in der jeder nur in seiner Heimatsprache redete und alle anderen (teilweise unflätig) beschimpfte.
Positiv: Bei einigen Quests kann es reichen in der Nähe zu sein, wenn ein Questziel von jemand anders erfüllt wird. (nicht bei Sammelquests, sorry) Das erspart manchen Frust.
Unentschlossen: Das Klassensystem. Bis Stufe 10 scheint es kaum Auswirkungen zu haben ob man in die Soldaten oder Spezialisten Spezialisierung geht. Nach diesem Zeitpunkt scheinen sich die Spezialisierungen jedoch stark zu unterscheiden. Aber in den Bereich komme ich jetzt erst, kann also nichts dazu sagen. Das Handwerkssystem habe ich noch nicht ausprobiert. Es scheint jedoch nicht so stark ausgearbeitet zu sein wie in vielen anderen MMORPG.
Fazit: Eventuell wäre ein Titel wie World of Starcraft nicht unangemessen gewesen. Man vermisst einige Dinge wie Auktionshäuser und grosse Hauptstädte (wie z.B. Ironforge) und kann sich sicher sein, dass auf Grund des Szenarios solche Sachen nicht dazukommen werden. (zumindest nicht für niedrige Spielstufen). Es scheint relativ wenige Jugendkrankheiten zu besitzen, aber uneingeschränkt zu empfehlen ist es wohl nicht für Leute, die ein Rollenspiel haben wollen, da sind andere Spiele etwas besser dafür ausgelegt. Für diejenigen geeignet ist es, denen WoW zu wenig Action bot. Ich persönlich werde noch ein halbes Jahr warten denke ich.


